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Eine Entscheidungshilfe für Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen

„Brauche ich wirklich eine Psychotherapie – oder würde ein klärendes Gespräch erst einmal reichen?“ Diese Frage begegnet mir häufig. Dahinter liegt manchmal die Sorge, mit der eigenen Reaktion „zu schwach“ zu sein. Manchmal ist es die Unsicherheit, welche Hilfe überhaupt zuständig ist. Und manchmal fehlt schlicht die Kraft, sich durch verschiedene Angebote zu arbeiten.

Die erste entlastende Wahrheit lautet: Du musst nicht bereits genau wissen, welche Unterstützung die richtige ist. Ein gutes Erstgespräch darf auch dazu dienen, den Bedarf gemeinsam einzuschätzen. Trotzdem hilft es, die Aufgaben von Beratung und Psychotherapie klar voneinander zu unterscheiden.

Psychoonkologische Beratung passt vor allem zu Orientierung, Entlastung und Krankheitsbewältigung. Psychotherapie ist angezeigt, wenn eine psychische Erkrankung diagnostisch geklärt und behandelt werden muss. Beide können Teil einer guten Versorgung sein.

Wann Beratung gut passen kann

Psychoonkologische Beratung ist niedrigschwellig. Du musst keine psychische Diagnose haben, um sie in Anspruch zu nehmen. Die Krebserkrankung selbst kann genügend Anlass sein: ein belastender Befund, ein schwieriges Arztgespräch, Angst vor einer Untersuchung oder eine familiäre Situation, in der kaum noch jemand weiß, wie offen gesprochen werden kann.

Beratung kann besonders hilfreich sein, wenn Du:

  • Deine Gedanken und Gefühle sortieren möchtest,
  • Orientierung in einer neuen oder unübersichtlichen Situation suchst,
  • Dich auf Gespräche mit Ärztinnen, Ärzten oder Angehörigen vorbereiten willst,
  • mit Angst, Erschöpfung und Unsicherheit umgehen möchtest, ohne dass eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht,
  • eigene Kraftquellen und konkrete nächste Schritte finden möchtest,
  • als Angehöriger einen geschützten Raum für Deine eigene Belastung brauchst.

Die Beratung arbeitet dabei mit dem aktuellen Anliegen und einem überschaubaren Auftrag. Sie erhebt keinen psychotherapeutischen Behandlungsanspruch.

Wann Psychotherapie die passende Hilfe ist

Psychotherapie geht weiter. Sie dient der fachlichen Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen. Dazu gehören beispielsweise depressive Erkrankungen, Angststörungen, Traumafolgestörungen oder Zwangserkrankungen. Psychotherapie darf in Deutschland nur von Personen angeboten werden, die hierzu gesetzlich befugt sind.

Eine psychotherapeutische Abklärung ist besonders wichtig, wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen, sehr stark werden oder immer mehr Lebensbereiche erfassen. Entscheidend ist weniger, ob ein einzelnes Symptom vorkommt. Wichtiger sind Stärke, Dauer, Leidensdruck und die Folgen für das tägliche Leben.

Drei Fragen, die bei der Einordnung helfen

1. Wie lange und wie stark erlebe ich die Beschwerden?

Angst vor einer Kontrolluntersuchung oder einige schlaflose Nächte nach einer Diagnose können verständliche Belastungsreaktionen sein. Wenn Angst, Niedergeschlagenheit oder innere Unruhe über Wochen anhalten, zunehmen oder kaum noch unterbrochen werden, ist eine fachliche Diagnostik sinnvoll.

2. Wie sehr ist mein Alltag beeinträchtigt?

Kannst Du noch schlafen, essen, Beziehungen gestalten und notwendige Termine wahrnehmen? Gelingt es wenigstens zeitweise, Dich zu beruhigen oder Freude zu empfinden? Wenn Beruf, Familie, Selbstfürsorge oder medizinische Behandlung deutlich beeinträchtigt sind, spricht das für einen weitergehenden Hilfebedarf.

3. Gibt es Warnzeichen?

Warnzeichen verlangen besondere Aufmerksamkeit. Dazu gehören ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, wiederkehrende Panikattacken, Zwänge, starke Trauma-Symptome, problematischer Substanzkonsum, Selbstverletzung, Suizidgedanken und eine mögliche Fremdgefährdung.

Eine praktische Orientierung

SituationEher BeratungEher Psychotherapie / Akuthilfe
AnliegenOrientierung, Kommunikation, Krankheitsbewältigung, Ressourcen, EntlastungDiagnostik und Behandlung einer psychischen Erkrankung
VerlaufSituativ oder zeitlich begrenzt; Alltag überwiegend möglichStark, anhaltend oder zunehmend; hoher Leidensdruck
AlltagBelastet, zugleich noch steuerbarSchlaf, Beziehungen, Arbeit oder Selbstfürsorge deutlich beeinträchtigt
GefährdungKeine akute Selbst- oder FremdgefährdungBei Suizidgefahr oder Fremdgefährdung sofort Notruf, Krisendienst oder Notaufnahme

Beratung und Psychotherapie sind keine Konkurrenz

Bei Krebs braucht es häufig mehrere Ebenen der Unterstützung. Medizinische Behandlung kümmert sich um die körperliche Erkrankung. Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen. Psychoonkologische Beratung begleitet bei Orientierung, Kommunikation und Bewältigung. Je nach Situation können diese Angebote nacheinander oder gleichzeitig sinnvoll sein.

Auch während der Wartezeit auf einen Therapieplatz kann Beratung stabilisieren und bei der Organisation weiterer Hilfe unterstützen. Voraussetzung ist, dass ein tatsächlicher Behandlungsbedarf klar benannt bleibt und die notwendige Therapie nicht verzögert wird.

Woran Du eine verantwortungsvolle Beratung erkennst

Weil die Bezeichnung „Psychoonkologe“ in Deutschland nicht geschützt ist, lohnt sich ein genauer Blick. Frage nach dem Grundberuf, der psychoonkologischen Zusatzqualifikation und den tatsächlichen Befugnissen. Eine seriöse Beratung spricht ihre Grenzen offen an und empfiehlt zusätzliche Hilfe, sobald das Anliegen den Beratungsrahmen überschreitet.

Unsere offizielle Bezeichnung lautet Weiterbildung: Psychoonkologischer Berater. Die Weiterbildung ist AZAV-zugelassen. Die TBAcare GmbH ist nach DIN ISO 21001 zertifiziert. Diese Qualitätsmerkmale stellen keine staatliche Berufszulassung dar. Die Weiterbildung vermittelt weder eine Approbation noch eine Erlaubnis zur Ausübung von Heilkunde.

Ein einfacher nächster Schritt

Wenn Du noch unsicher bist, beginne mit einer offenen Frage an eine qualifizierte Fachperson: „Wie schätzen Sie meine Situation ein, und reicht Beratung hier aus?“ Eine verantwortungsvolle Antwort muss nicht jedes Detail sofort klären. Sie sollte Dir jedoch zeigen, welcher Rahmen zu Deinem Bedarf passt.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung bitte keine Beratungstermine abwarten. Wende Dich sofort an den örtlichen Notruf, einen psychiatrischen Krisendienst oder die nächste Notaufnahme.

Quellen und weiterführende Informationen

Thomas Bach · TBAcare GmbH

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