Willkommen zurück auf unserem Blog!

Heute widmen wir uns der Frage, die in der Medizin tatsächlich gar nicht so oft gefragt wird, nämlich: Wie entsteht eigentlich Gesundheit? Hierfür verwenden wir den Begriff Salutogenese, denn:

Salus = Heil und Genese = Entstehung

Wir sind mit dem gegenteiligen Begriff der Pathogenese vertrauter. Diese fragt nach der Entstehung von Krankheit und wird bislang sehr gut erforscht – die Salutogenese hingegen ist noch nicht sehr verbreitet.

In der Salutogenese geht es um die Frage, wie Menschen es schaffen trotz widriger Umstände gesund zu bleiben, Lebensmut zu erhalten und vielleicht sogar für andere Menschen eine wesentliche Hilfe zu sein.

Wer hats erfunden?

 

Aaron Antonovsky ist der Vater der Salutogeneseforschung. Wir möchten uns hier zwei Aspekte seiner Arbeit anschauen.

Als ersten Aspekt war für Antonovsky klar, dass Gesundheit und Krankheit keine abgeriegelten und sich gegenseitig ausschließenden Zustände sind, sondern eher ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum darstellen. Das bedeutet, dass ein Mensch niemals komplette Gesundheit, aber auch niemals komplette Krankheit erfahren wird und ein kranker Mensch immer auch gesunde Anteile hat, sowie ein gesunder Mensch auch immer kranke Anteile finden wird. Wir sind alle irgendwo in diesem Kontinuum angesiedelt.

Dieser Ansatz ist deswegen so schön, weil man mit ihm auf verschiedene Weisen arbeiten kann.

Beispielsweise kann man Skalierungsfragen stellen: Wenn 0 Krankheit ist und 10 Gesundheit – wo bin ich heute? Wenn ich heute auf einer 3 bin, war ich auch schon einmal auf einer 8? Was war damals anders? Wie könnte ich wieder zur 8 hinkommen?

Das Erkennen allein bewirkt bei vielen Menschen schon einiges und speziell bei Kranken, dass sie vielleicht am Vortag schon einen Tag hatten, an dem sie sich “gesünder” gefühlt haben. Es geht hier um Abmessungen und Vergleiche, die erkennen lassen, dass sich alles immer wieder ändert und man durchaus Einfluss auf den Platz in der Skala hat, indem man die gesunden Anteile stärkt während die kranken Anteile behandelt werden.

Man kann für eine andere Arbeitsweise z.B. auch große Aussagen wie “ich bin krank” herunterbrechen auf “mein Körper ist krank und speziell meine Lunge funktioniert heute nicht besonders gut, aber meine Füße und meine Hände sind noch voll funktionstüchtig und gesund”. Wenn alles auf einem Kontinuum liegt und sich dort ständig hin- und herbewegt, dann können auch “Einzelteile” an verschiedenen Positionen stehen. Und auch hier gilt es: das Gesunde stärken, damit es unterstützend wirken kann, denn gesund und krank schließen sich nicht mehr aus.

Viel eher allerdings ist Antonovsky dafür bekannt, wenn es um die Frage nach der Entstehung von Gesundheit geht, welche er als das sogenannte Kohärenzgefühl beschreibt. Ein Gefühl, das sich einstellt, wenn das Leben als stimmig und sinnvoll erlebt wird.

Antonovsky beschreibt 3 Komponenten, aus denen sich dieses Kohärenzgefühl zusammensetzt:

Verstehbarkeit

Die Welt wird als vorhersehbar, strukturiert und verständlich erlebt. Eintretende Ereignisse (auch überraschende) lassen sich erklären

Handhabbarkeit

Die Wahrnehmung, dass die Herausforderungen des Lebens mit geeigneten und vorhandenen Ressourcen bewältigt werden können

Sinnhaftigkeit

Die Ereignisse im Leben sind es wert, dass man Energie in sie hineinsteckt – egal, was am Ende dabei herauskommt. Das Leben und Sein ist sinnvoll und wird als willkommene Herausforderung, anstatt als Last, wahrgenommen

Dies bedeutet konkret für einen krebserkrankten Menschen, dass die eigene Krankheit zuerst einmal verstanden werden muss. Folgende Fragen bedürfen einer Antwort:

  • Was passiert da in meinem Körper? Worauf möchte er mich aufmerksam machen?
  • An welchen Punkten habe ich mich und meinen Körper außer Acht gelassen?
  • Wo bin ich über Grenzen gegangen und habe mir zu viel zugemutet?

Die zweite Ebene ist der Umgang mit der Erkrankung, die Handhabbarkeit.

  • Was kann ich jetzt konkret tun, um den Genesungsprozess optimal zu gestalten
  • Welche Behandlungen werde ich vornehmen lassen?
  • Entscheide ich mich für schulmedizinische Behandlungen? Möchte ich auch komplementäre Angebote in Anspruch nehmen?

Die Handhabe spielt eine wesentliche Rolle um ins Tun zu kommen und auch das Gefühl von Kontrolle in dieser Situation zu behalten und damit nicht in die Opferrolle zu verfallen.

Und drittens ist es sehr wichtig, die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens ganz neu zu definieren. Die Erkrankung verändert so viel im Leben, dass die alte Art und Weise des bisherigen Lebens nicht unbedingt weiter sinnvoll sein kann (denn sie hat ja zu der jetzigen Situation geführt oder zumindest beigetragen). Die Sinnhaftigkeit muss nicht gleich die große Frage “Was ist der Sinn Deines Lebens?” sein. Es können auch kleine Dinge sinnvoll sein. Es geht hierbei eher darum das Leben als interessant und lebenswert anzusehen, zu erkennen, dass das Sein schon Sinn hat.

Folgende Fragen können hilfreich sein:

  • Welche Ziele habe ich für mein Leben?
  • Wo hält das Leben Faszination für mich?
  • Welche alltäglichen Dinge erfüllen mich mit Freude und Zufriedenheit?
  • Welche Erkenntnisse brachte mir die Krankheit?

Es braucht manchmal Unterstützung von außen, um all diese Punkte optimal zu erarbeiten und damit wieder das Kohärenzgefühl ins eigene Leben einzuladen. Die Forschung belegt zumindest sehr eindeutig, dass Menschen mit diesem stimmigen Zusammenhangsgefühl wesentlich höhere Heilungschancen haben und auch auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum mit mehr gesunden Anteilen angesiedelt sind.

Also ergreife heute die Chance und beginne die 3 Komponenten der Salutogenese für Dich selbst oder mit Unterstützung zu erarbeiten!

Dein TBAcare Team

Cookie-Einstellungen