„Das ist doch alles Humbug!“ oder „Wie soll denn sowas wirken, und dann auch noch auf Menschen, die gar nicht anwesend sind…!“

Solche Aussagen werden zur Aufstellungsarbeit immer mal wieder gemacht, meistens von Menschen, die selbst noch nicht die Erfahrung machen konnten oder wollten in einer Aufstellung mitzumachen.

Es gibt mehrere Erklärungsansätze für das Wirken von Aufstellungen. Ich (Thomas) möchte hier mal einige davon vorstellen, um auch für Skeptiker von Aufstellungsarbeit einen Zugang zu dieser sehr wirksamen Form von systemischer Arbeit im besten Falle zu ermöglichen.

Aufstellungsarbeit für Skeptiker

Die Anfänge der Aufstellungsarbeit

Viele bekannte Namen aus der Therapieszene haben an der Entwicklung der Aufstellungsarbeit mitgeholfen:

sollen hier genannt werden.

Durch Bert Hellinger, der seine Form der Aufstellungsarbeit in sehr großen Veranstaltungen bekannt gemacht hat, wurden viele Menschen inspiriert, ebenfalls mit dieser Art der Verdeutlichung von Verstrickungen im Familiensystem zu arbeiten. Keinesfalls war er aber der Erfinder dieser Arbeit. Auch hat seine persönliche Art oft zu Kritik herausgefordert, wie es eben bei Menschen, die sehr exponiert arbeiten immer wieder vorkommen kann.

Was passiert nun in einer Aufstellung?

Ein Klient hat ein Problem in seinem Leben und hat das Gefühl, dass dieses Thema auch aus seiner Herkunft begründet sein könnte. Herkunft bedeutet, dass sein Familiensystem, das aus seinen Geschwistern, Eltern und Großeltern (und darüber hinaus) besteht, bestimmte Schicksale trägt, die auch ihn berühren und beeinflussen. Der Klient fühlt sich nicht frei in seinem Tun und Denken.

Nun wird in einem Aufstellungsseminar sein System mittels Stellvertretern aufgestellt, das heißt der Klient sucht sich für seine Familienmitglieder Repräsentanten aus den Anwesenden heraus und positioniert diese so im Raum, wie er Nähe oder Distanz der Familienmitglieder zueinander empfindet. Anhand dieser „Stellung“ im Raum beginnt eine Regung in den Stellvertreter. Sie fühlen sich zu nah, zu weit weg, zu abgewandt oder nicht dazugehörig. Diese repräsentative Wahrnehmung entsteht im Augenblick des „Gestelltwerdens“. Das kann sich noch jeder vorstellen, dass eine Position weit abseits von den anderen ein merkwürdiges Gefühl auslöst.

Nun wird durch die Fragen des Aufstellungsleiters die eingenommene Rolle, z.B. als Schwester des Klienten, immer mehr übernommen und es können sich sogar somatische Erscheinungen kundtun, die vorher noch nie gespürt wurden, aber tatsächlich bei dem Menschen für den ein Stellvertreter steht Gang und Gäbe ist, z.B. Husten bei einem Stellverter, der für einen Asthmatiker steht, obwohl diese Information vorher nicht gegeben wurde.

Der Aufstellungsleiter arbeitet nun mit den Stellvertretern solange, bis jeder im System seinen guten Platz gefunden hat und zufrieden und in Liebe auf die anderen Familienmitglieder schauen kann. Wenn die Liebe bei allen Beteiligten wieder fließen kann, ist die Aufstellungsarbeit beendet.

Ein praktisches Beispiel der Aufstellungsarbeit

Eine Frau berichtet davon, dass sie nie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hatte und dieser sie auch nie so richtig beachtet hätte.

In der Aufstellungsarbeit, in der Vater und Mutter in einer großen Distanz zueinander aufgestellt waren, so als würde etwas nicht passen zwischen ihnen. Der Aufstellungsleiter stellt einen Menschen für das „Trennende“ zwischen die beiden. Plötzlich fängt die Mutter zu weinen an und umarmt das „Trennende“, es sieht aus wie ein Liebespaar.

Da erinnert sich die Klientin, dass die Mutter von einem Mann vor der Ehe mit dem Vater gesprochen hätte, der allerdings die falsche Konfession gehabt hätte und von den Eltern nicht erlaubt wurde, dass sich eine Beziehung entwickeln kann. Die Trennung war für beide ein großer Schmerz war, was auch deutlich bei den Stellvertretern sichtbar wird. Beide verabschieden sich unter Tränen voneinander, doch vorher führt die Mutter die Tochter zu diesem Mann und erklärt ihr „Mit diesem Mann hast Du nichts zu tun, er gehört zu meiner Geschichte“ sie weist dann auf den Vater und sagt zur Tochter „Dies ist Dein Vater, ich konnte nie ganz für ihn Dasein, aber er ist Dein richtiger Vater, den Du lieb haben darfst.“

Die Klientin, die nun für ihre Stellvertreterin in die Aufstellung genommen wurde dreht sich zum Vater und zum ersten Mal haben alle das Gefühl, dass der Vater in Regung und Emotion kommt und auch die Tochter den Vater richtig sehen kann. Sie gehen aufeinander zu und umarmen sich. Es fühlt sich wie ein nach Hause kommen für die Tochter an.

An diesem Punkt beende ich einmal die Beschreibung dieser Aufstellung.

Wirkung der Aufstellungsarbeit

Was passiert hier?

Und wieso können wildfremde Menschen plötzlich so füreinander empfinden?

Hierzu gibt es, wie schon erwähnt die unterschiedlichsten Theorien. Eine sehr wissenschaftliche hat etwas mit den Feldtheorien zu tun. Das heißt, dass jeder Gedanke und jedes Erleben ein gewisses (auch messbares) elektromagnetisches Feld erzeugt, das wiederum Auswirkungen auf die Umgebungsfelder bewirkt. Manche Menschen können zum Beispiel spüren, wenn in einem Raum kurz vorher gestritten wurde und nehmen die „dicke Luft“ noch wahr. Hunde spüren, wenn ihre Herrchen sich in Kilometerentfernung auf den Weg von der Arbeit nach Hause machen und werden unruhig. Kriegerwitwen berichten, dass sie den Moment in dem ihr Mann im Felde zu Tote kam exakt erspürt haben.

Diese Informationsfelder werden in der Biologie auch als morphogenetische Felder beschrieben. Rupert Sheldrake beschreibt diese Feldtheorien mit vielen Beispielen. Hier bei der Aufstellungsarbeit besagt diese Theorie, dass durch die mentale Absicht ein System aufstellen zu wollen, dadurch sofort Kontakt hergestellt wird zu dessen Feld und wenn sich dann die Stellvertreter in dieses Feld begeben, sie Zugang zu den Emotionen und Informationen des Feldes erhalten. Das ist so wie bei einem Radio einen bestimmten Sender einzustellen, um dann das Programm zu empfangen.

Die Veränderungen im Feld wirken dann zurück auf alle Systemmitglieder und haben Auswirkungen auf deren Denken und Fühlen. Nähere Ausführungen dazu findest Du hier.

Wem das zu weit hergeholt ist kann sich ja auch mit C.G. Jungs Ansätzen beschäftigen. Er geht davon aus, dass wir alle Erfahrungen der Menschheit als sogenannte Archetypen in uns tragen und uns daher nichts Menschliches fremd ist.

(Siehe auch Youtube-Video: Was sind Archetypen?)

Wir können also in der Rolle der Stellvertreter auf Wissen zugreifen, das uns allen Menschen zuteil ist.

Wie wirkt die Aufstellung nun weiter?

Durch das Lösungsbild, das in der Aufstellung erarbeitet wurde, kann der Klient ein neues Gefühl und Bild mit nach Hause nehmen, das in seiner Seele Auswirkung entfalten kann. Diese Auswirkungen bewirken, dass er nun anders auf sein System schauen kann und er daher auf eine andere Weise in Kontakt mit demselben tritt. Das hat logischerweise auch wieder Auswirkungen auf die anderen Mitglieder des Systems. Und so wirkt eine Aufstellung entweder über die Feldwirkung oder einfach über das veränderte Sein des Klienten auf das System.

Nun ist die Frage, ob ein Skeptiker der Aufstellungsarbeit damit zufrieden sein kann.

Es gilt aber dem Skeptiker die Frage zu stellen, warum er sich damit überhaupt befasst?

Gibt es Anteile in ihm, die neugierig sind, die eigentlich auch einmal diese Erfahrung machen wollen? Oder gibt es Anteile, die eher Angst vor solch einer Arbeit hätten, weil der Klient keine Kontrolle ausüben kann und eventuelle Dinge herauskommen könnten, die wiederum große Auswirkungen auf sein Leben haben könnten?

Das weiß nur der Skeptiker selbst und kann nur von ihm gelöst werden. Die Einladung zum Dabeisein wäre ein logischer Schritt, denn nur die Eigenerfahrung kann letztendlich den Zweifel auflösen.

P.S. Du möchtest selbst lernen, wie solche Aufstellungen aufzubauen und zu leiten sind? In unserer Ausbildung zum/zur systemischen Berater/in sind Familienaufstellungen ein wichtiger und großer Teil des Inhalts.

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