Vor ziemlich genau einem Jahr, am 6. April 2021, haben wir auf dem Blog einen Beitrag zum Thema Salutogenese veröffentlicht (hier lesen). Damals unbeabsichtigt direkt einen Tag vorm Weltgesundheitstag.

Dieses Jahr möchten wir einen Aspekt aus Aaron Antonovskys Forschung näher aufgreifen und teilen diesen Beitrag am Weltgesundheitstag – am 07. April 2022.

Was ist der Weltgesundheitstag?

Von der Weltgesundheitsorganisation WHO ins Leben gerufen findet der Weltgesundheitstag jedes Jahr am 07. April unter einem anderen Motto statt. Dieses Jahr ist das Motto „Our Planet, Our Health“ und verbindet die Themen Klimawandel mit Gesundheit.

Es gibt einiges, was dazu gesagt werden könnte, allein schon mit den Stichpunkten: Hitzewellen, Kältefronts, Stürme und deren Folgen, Abgase, Energieversorgung und diese in Zeiten des Krieges, etc.

Wir bleiben im heutigen Beitrag bei dem Aspekt „Gesundheit“ allgemein und möchten darüber schreiben. Die WHO definiert Gesundheit so:

„Gesundheit ist der Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen.“ (Verfassung der WHO 1947)

Informationen zum diesjährigen Weltgesundheitstag gibt es auf der Webseite

Weltgesundheitstag.de

oder auf der Website der WHO

Gesundheit-Krankheit-Kontinuum

Aaron Antonovsky

Aaron Antonovsky stellte nun die Frage „Wie entsteht Gesundheit?“, hat dazu geforscht und schließlich eine ganze Theorie entwickelt, die mit den Faktoren Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit und summiert dem Kohärenzgefühl zu tun hat.

>> Erfahre auch mehr über Salutogenese in diesem Video aus unserer Ausbildung

Wir möchten uns allerdings auf das Gesundheit-Krankheit-Kontinuum konzentrieren.

Es fällt uns normalerweise leicht zu schlussfolgern, dass wenn wir nicht krank sind, wohl gesund sein müssen (ergo „nicht krank = gesund“).

Antonovskys These ist aber nun, dass es nicht nur 100% Gesundheit oder 100% Krankheit gibt – die zwei Zustände sich also nicht gegenseitig ausschließen, sondern eher, dass wir auf einer Achse zwischen den beiden Zuständen hin- und herwandern. Wir sind also immer auf einem Kontinuum zwischen vollständig gesund und vollständig krank.

Dies bedeutet, dass es bei jeder Krankheit irgendwo noch gesunde Anteile in einem Menschen gibt und dass auch vollständig gesunde Menschen irgendwo kränkere Anteile haben.

Was nun mit dieser These entstehen kann ist dieser Gedanke:

Anstelle vom krampfhaften Versuchen Krankheit zu vermeiden (was immer nach „muss“/“sollte“/“darf nicht“/“weniger“, erhobenem Zeigefinger und „weg von“ klingt), könnten wir uns lieber darauf konzentrieren, die gesunden Anteile zu stärken, um auf dem Gesundheit-Krankheit-Kontinuum immer weiter Richtung 100% Gesundheit zu wandern.

Die Umwandlung erfolgt also durch ein Einladen von „mehr“ (mehr Gutem, Spaß, Freude, Gelassenheit, Wohlfühlaspekten, Ruhe, Entspannung, Bewegung) – und letztlich „hin zu etwas Schönem“ und einem Verabschieden von Pflichten, Regeln, sollen, müssen und Strafe und dem „weg von“-Gefühl.

Kontinuum Salutogenese

Gesundheit stärken

Damit du diesen Gedanken ganz individuell für dich füllen und weiterspinnen kannst, überlege dir doch einmal Antworten zu folgenden Fragen:

1. Wie fühlt sich Gesundheit an? Was sind Symptome von Gesundheit?

Krankheitssymptome sind uns mehr als bekannt und wir können sie meist detailreich und genau beschreiben. Aber wie ist es mit Gesundheit? Wie fühlt es sich an, gesund zu sein?

Überlege dir ein paar Begriffe. Am Ende des Blogposts kriegst du ein paar Adjektive als Beispiel.

2. Welche Faktoren fördern das Gefühl von „Gesundheit“ und das Wohlbefinden?

Und nun, vielleicht viel wichtiger, wie kann dieses Gefühl in deinem Leben gefördert werden? Warum fühlt es sich dann gesund an? Auch hier bekommst du am Ende des Beitrags Beispiele, falls dir die Beantwortung schwerfällt.

Die Stärkung kann auch über viele andere Wege und Mittel erfolgen. Gerade die 3 Faktoren Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit bzw. das Kohärenzgefühl allgemein spielen hier eine große Rolle (siehe dazu den vorigen Blogartikel hier) und können Veränderung bewirken.

Die psychoonkologische/systemische Beratung kann helfen, indem sie z.B. neue Ideen aufwirft bzw. alte Ressourcen wieder aktiviert, die auf verschiedene Weise zur Stärkung der Gesundheit beitragen können.

Die Säulen der Resilienz bewusst stärken, Achtsamkeit üben, Themen aufarbeiten, Meditieren, Ruhen, … es ist ganz individuell, wie Menschen den Weg Richtung Gesundheit anstreben.

Wichtig ist, dass du für dich erkennst: Nur weil du krank bist, bedeutet es nicht, dass du nicht auch gesund sein kannst bzw. gesunde Anteile in dir hast.

Vielleicht lässt sich dieser Gedanke des Kontinuums auch gut auf die Welt im Allgemeinen und auf das diesjährige Motto „Our Planet, Our Health“ übertragen: Die Welt erscheint teilweise sehr gebrochen, zerstört, krank durch Klimakrisen, Kriege, Pandemien, etc.

Aber es gibt dennoch kleine Lichtblicke, Hoffnung und v.a. gesunde Aspekte, die nicht vergessen werden sollten (sondern sogar gefördert werden können).

Vielleicht ein tröstender Gedanke in manch dunkler Stunde.

In diesem Sinne wünschen wir dir alles Gute und viel Gesundheit!

Wir werden Ende Mai übrigens einen kleinen Kurs/ein kleines Programm zur Salutogenese starten und uns genau mit diesem Gesundheit-Krankheit-Kontinuum, der Gesundheitsförderung und dem Kohärenzgefühl beschäftigen. Die Theorie wird dabei mit vielen Übungen und Impulsen in der Praxis umgesetzt, sodass du – ob „krank“ oder „gesund“ – auf der Achse in Richtung Gesundheit wanderst. Genauere Informationen folgen bald, oder abonniere unseren Newsletter, um es zuerst zu erfahren! (Hier abonnieren)

Dein TBAcare Team

Beispiele für die Fragen:

  1. Symptome von Gesundheit: aktiv, fit, beweglich, mobil, gelassen, entspannt, ruhig, fröhlich, lebensfroh, motiviert, sprudelnd, wach, frisch, kräftig, belastbar, ausgeglichen, …
  2. Fördern von Gesundheit: z.B. Bewegung (Joggen, weil ich mich dann aktiv fühle; Yoga, weil ich mich dann beweglich und ausgeglichen fühle); Gesunde Ernährung, weil ich mich dann innerlich leicht und vital fühle; Soziale Kontakte (weil ich mich dann gesehen fühle); ins Theater gehen (inspiriert); Pflanzen pflegen; …
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